427px-Jean-Paul-Denkmal„Sein Herz und seine Schrift waren eins“ Zum 250. Geburtstag von Jean Paul

Heinrich Heine bewunderte das Werk Jean Pauls, weil „sein Herz und seine Schrift ein und dasselbe“ waren. Für ihn stand er „ganz isoliert in seiner Zeit“. Das fühlte auch Goethe, der, als er sich in Weimar aufhielt, genau so um ihn warb wie Herder, Allein Nietzsche kam mit ihm nicht zurecht und nannte ihn einmal abschätzig ein literarische „Verhängnis im Schlafrock“.

Denkmal Jean Paul in Bayreuth

Quelle: Wikimedia.org

Robert Schumann und Jean Paul In seiner Jugend wollte Robert Schumann Dichter werden. Sein großes Vorbild war Jean Paul. Er hatte alles von ihm gelesen. Schumann liebte Jean Paul. Sein Traum war es, so schreiben zu können wie der romantischste aller romantischen Schriftsteller. Doch sein Ideal erreichte er nie. Dafür entdeckte er in der intensiven Auseinandersetzung mit der Jean Paulschen Dichtkunst sein musikalisches Genie. Logo Radio Carleton Für Radio ... habe ich gemeinsam mit Günter Hess (Ton und Regie) ein Feature produziert mit dem Titel "Er hat mich oft dem Wahnsinne nahegebracht..." Robert Schumann und Jean Paul In der Komposition "Fantasie op.17" sind Schumanns romantische Empfindungen Musik geworden. Sie gehört zu den schönsten Werken der gesamten Klavermusik. Literatur und Musik, bei Schumann und Jean Paul haben sie sich auf wunderbare Weise vermählt...

noname

 

 

Hier klicken, um das Feature "Er hat mich fast dem Wahnsinne nahegebracht" anzuhören.

 

 Tristan und Isolde

Die Entdeckung der Liebe im zwölften Jahrhundert

„Ihr hohen Herren, wollt ihr eine schöne Geschichte von Liebe und Tod hören?“

So beginnt der Roman von Tristan und Isolde in der Fassung von Béroul, eines altfranzösischen Dichters und Spielmannes um das Jahr 1180. Nichts auf der Welt könnten wir lieber wollen. Wir fragen uns, woher der Zauber dieses ersten großen Liebesromans der abendländischen Geschichte? Welche Gefühle innerer Anteilnahme weckt ein Roman von Liebe und Tod in unseren Herzen? Ist es die leidenschaftliche Liebe, die zum Tod führt, ein Grundmotiv der ältesten Legenden, der ältesten Lieder unserer Literatur? Erklärt das den ungeheuren Erfolg des Romans über die Jahrhunderte hinweg? Und noch etwas verstört uns in unserer tiefsten Seele:

Tristan und Isolde brechen die Ehe. Ehebruch ist der Verrat an der Liebe. Nahezu alle großen Liebesromane der europäischen Liebesromane haben das Grundmotiv des Ehebruchs. Tolstois Anne Karenina, Flauberts Madame Bovary, Fontanes Effie Briest oder auch D.H. Lawrences Lady Chatterly scheitern in ihren Ehen und flüchten sich in eine leidenschaftliche Liebe. Das irritiert uns, und dennoch möchten wir nichts anderes lesen.

Die drängende Frage, warum Menschen so etwas tun, warum sie sich immer wieder das Leid der Trennung zufügen, ist das Grundmotiv des europäischen Gesellschafts-Romans.

Wenn wir den mittelalterlichen Roman von Tristan und Isolde als Spiegelbild der Gesellschaft ansehen, dann ist es nicht unbegründet, dass Historiker vor einer „Ehekrise“ im 12. Jahrhundert sprechen. Was sind die Gründe für diese Krise?

In diesen Jahrzehnten des frühen Mittelalters hat in Europa ein bedeutendes Ereignis stattgefunden. Die Beziehungen zwischen dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht änderten sich grundlegend. Dieses Ereignis hat die gesamte europäische Kultur zutiefst gezeichnet und ihre Wirkungen sind bis heute spürbar.

Vollständiger Vortrag im PDF-Format

 

Tschick
"Ich muss dir ein Geheimnis verraten", sagte ich. "Ich bin der größte Feigling unter der Sonne. Der größte Langweiler und der größte Feigling, und jetzt können wir zu Fuß weiter. Auf einem Feldweg würd ich's vielleicht versuchen mit dem Wagen. Aber nicht auf der Autobahn." Zwei Jungs. Ein geknackter Lada. Eine Reise voller Umwege durch ein unbekanntes Deutschland
Tschik von Wolfgang Herrndorf  ist einer meiner Lieblingsromane der vergangenen Jahre.  Vielleicht auch deshalb, weil die beiden jugendlichen Aussreißer so herrlich schnoddrig daherreden, selbst dann noch ihrem rotzigen Sprachstil treu bleiben, wenn es um die großen Themen von Leben, Liebe und Tod geht. Themen, über Maik und Tschick beiden mal mit Adjektiven wie "brillant", "lustig","charmant" ziemlich cool daher schwadornieren.

Meine nächste Radiosendung für den Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wird sie am 29.12.2013

Die Heilige Familie und ihre späten Folgen?

Zum Streit über die Frage was eine gute Familie ist

Cover Buch "Die heilige Familie und ihre späten Folgen"

Leihmütter, Samenbänke, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften, der Begriff der Familie als die Grundform moderner Gesellschaften hat seine Eindeutigkeit verloren. Das Bundesverfassungsgericht stellt in einem Grundsatzurteil die gleichgeschlechtliche Partnerschaft mit der Ehe zwischen Mann und Frau fest. Die EKD provoziert mit einem Positionspapier zum Thema "Homo-Ehe". Ein Sturm der Entrüstung konservativ denkender Menschen bricht los, gleichermaßen in der evangelischen wie in der katholischen Kirche. Man sieht christliche Traditionen in Gefahr, die Ordnung der Familie als Keimzelle des Lebens stehe auf dem Spiel. Die heilige Familie ist das Urbild der christlichen Familie. Es hat unser Familienverständnis entscheidend geprägt. In diesen Weihnachtstagen wird uns das wieder bewusst. Weniger bewusst dagegen ist uns, dass die Heilige Familie keine "richtige" Familie ist. Maria empfängt ihren Sohn jungfräulich, Josef ist nicht der natürliche Vater. Jesus bricht bewusst mit der traditionalen Herkunftsfamilie. "Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht Wert." Die natürliche, biologische Familie wird von Jesus ersetzt durch eine spirituelle Gemeinschaft. Nicht das Blut bindet die Menschen aneinander, sondern der Glaube. Die spannende Frage ist, ob nicht im Urbild der Heiligen Familie schon das angelegt ist, was wir heute diskutieren: die Erweiterung des Familienverständnisse hin auf familiäre Lebensformen, die auf Vertrauen und Liebe gegründet sind. Überraschende Antworten auf diese Frage geben die katholische Theologin Prof. Marianne Heimbach-Steins von der Universität Münster und der Literaturwissenschaftler Prof. Albrecht Koschorke, Universität Konstanz.